AllgemeinE-Commerce

Die Macht von Twitter: Digitale Protestwelle in den USA

Bernhard Aichinger
Bernhard Aichinger
Jeff Jarvis auf der re:publica10
Jeff Jarvis

Der Journalismusprofessor und Promi-Blogger Jeff Jarvis rechnete wohl nicht damit, aufgrund eines einzigen Tweets eine digitale Protestwelle im Kurznachrichtendienst Twitter auszulösen. Grund dafür war ein Tweet, in welchem er seinen Frust über die Verhandlungen der US-amerikanischen Regierung bezüglich der Schuldenobergrenze preis gab. Und viele US-Amerikaner teilten seine Meinung. Mehr dazu im Artikel.

Der Tweet „Hey Washington assholes, it’s our country, our economy, our money. Stop fucking with it.“ brachte den Stein ins Rollen. Jeff Jarvis (@jeffjarvis) wollte mit diesem Tweet seiner Wut über die in Washington stattfindenden Verhandlungen zur Schuldenobergrenze der USA Ausdruck verleihen. Diese Botschaft verbreitete sich aufgrund seiner mehr als 75.000 Follower schnell, sehr schnell sogar. Erste Antworten auf den Tweet kamen. Seine Aussage fand Anklang. Schon bald wurde ihm vorgeschlagen, einen Hashtag namens #fuckyouwashington für die Tweets zu diesem Thema zu verwenden. Gesagt – getan. Er dachte aber wohl nicht im Entferntesten daran, dadurch kurzzeitig eine digitale Protestwelle auszulösen, die sogar weltweite Medien-Aufmerksamkeit auf sich zog.

Im folgenden Chart sieht man, wie oft der Twitter-Hashtag #fuckyouwashington verwendet wurde. Ich konnte leider nicht wirklich herausfinden, wofür die Skala links mit den Werten 0,12%, 0,08% und 0,04% steht. Aber ich nehme an, dass sie den Anteil der getaggten Tweets an allen geposteten Tweets darstellt. Geht man von einer täglichen Anzahl von 200 Millionen Tweets aus, dann ergeben sich für den 24. Juli 2011 rund 240.000 Tweets, die den Hashtag #fuckyouwashington verwendeten. Ein imposante Zahl, wenn man beachtet, dass dies alles von einer einzigen Person ausging.

fuckyouwashington Entwicklung
#fuckyouwashington Entwicklung

Es ist jedoch auch deutlich zu sehen, dass bereits ab dem Folgetag der Verhandlungen die Verwendung des Hashtags deutlich abnahm und am heutigen Tag, 28.07.2011, nur noch bei 0,01 – 0,005% liegt. Nicht desto trotz verdeutlicht es die Macht eines einzelnen Tweets, der innerhalb von Sekunden seinen Weg rund um die gesamte Welt macht.

Klarerweise gab es innerhalb kürzester Zeit auch adaptierte Hashtags, welche zum Beispiel #fuckyoubrussels, #fuckyouberlin oder #fickdichwien hießen. Diese Hashtags konnten sich jedoch nicht der großen Verbreitung erfreuen wie ihr US-amerikanisches Pendant. Ich führe das aber auf die allgemein geringe Nutzung von Twitter in Europa im Vergleich zu den USA zurück.

Fazit

Ich finde es immer wieder interessant, wie schnell sich die Aussagen eines einzigen via Twitter verbreiten können. Es verdeutlicht für mich einmal mehr die Macht des Kurznachrichtendienstes und besonders der Hashtags. Binnen kürzester Zeit wurde von Jeff Jarvis eine (wahrscheinlich auf wenige Tage begrenzte) digitale Protestwelle ausgelöst, die weltweit die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zog.

Auch Unternehmen können diese Macht von Twitter zum Beispiel für Marketing-Kampagnen nutzen. Ein Hashtag ist zwar keine Garantie für den sicheren Erfolg, aber es erleichtert den Nutzern das Retweeten und Teilen von Informationen zu einem Thema.

Bildnachweis:
Jeff Jarvis: flickr/re:publica 2011

Teile diesen Artikel

Unsere Social Media Accounts

0 Antworten auf Die Macht von Twitter: Digitale Protestwelle in den USA

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.