Das Unglück von Japan: Hilfe 2.0 und Protest 2.0 in Zeiten des Internets

Epizentrum Erdbeben Sendai

Epizentrum Erdbeben Sendai, Quelle: Google Earth

In den vergangenen Tagen wird in aller Welt darüber berichtet: die Tragödie von Japan. Die größte Naturkatastrophe der Geschichte Japans begann am 11. März 2011 mit dem stärksten Erdbeben seit dem Beginn der Erdbebenmessung mit einer unglaublichen Stärke von 8,9 auf der Messskala.

Das Epizentrum lag etwa 370 Kilometer nordöstlich der 30-Millionen-Metropole Tokio und 130 Kilometer östlich der Großstadt Sendai in ca. 24 Kilometer Tiefe. Wäre dieses Erdbeben für sich alleine nicht schon genug, formte sich durch das starke Beben auch noch eine mehr als 10 Meter hohe Tsunami-Welle, die die Küstenregionen mit voller Härte traf. Menschen, Autos, Lastwagen, Häuser, ja sogar ganze Dörfer und Städte wurden von den Wassermassen mitgerissen und zerstört, als wären sie aus Papier. Die traurige Bilanz dieser Katastrophe liegt laut offizieller Seite bei derzeit rund 5000 Toten und mehr als 10000 Vermissten. Behörden gehen jedoch von weit höheren Zahlen aus, da das gesamte Ausmaß der Zerstörung bisher nur erahnt werden kann. Im Zuge der Zerstörungen durch die Riesenwelle kam es zu großen Problemen in den küstennahen Kernkraftwerken Fukushima Daiichi, Fukushima Daini, Onagawa und Tōkai. Besonders ernst scheint die Lage in Fukushima Daiichi zu sein, da die Kühlsysteme der Reaktoren stark beschädigt wurden und dadurch ausgefallen sind. Bei zu geringer Kühlung  kommt es zu einer Überhitzung der Brennstäbe in den Reaktoren, was wiederum zur befürchteten Kernschmelze führt. Es ist jedoch schwer die konkrete Lage einzuschätzen, da viele Informationen von offizieller Seite durch den japanischen AKW-Betreiber Tepco vertuscht werden und es daher zu zahlreichen Spekulationen kommt.

Hilfe 2.0 für die Opfer

Flagge Rotes Kreuz

Flagge Rotes Kreuz, Quelle: www.roteskreuz.at

Um den hilflosen Opfern nun zu helfen wurden zahlreiche Spendenaktionen (Aktion Deutschland Hilft, Österreichisches Rotes Kreuz Online Spenden) ins Leben gerufen. Auch im Internet wird tatkräftig versucht, Spendengelder für die japanischen Familien zu sammeln. So bietet beispielsweise der Social-Game-Hersteller Zygna die Möglichkeit an, durch das Kaufen virtueller Güter in ihren Spielen zu spenden. Spieler von Farmville, Cityville und Treasure Island können bestimmte Güter kaufen, wobei 100 Prozent des Preises an einen Save-the-Children-Fonds weitergeleitet werden. In Farmville ist ein solches Spendengut beispielsweise eine Kobe-Rind oder Daikon-Rettich, in Cityville wiederum Süßkartoffeln. Auf diesem Weg sollen insgesamt zwei Millionen US-Dollar an Spendengeldern gesammelt werden. Wird via Facebook auf die Zygna-Spiele zugegriffen, fließen auch die Facebook-Anteile am Verkaufspreis in den Spendenfonds.

Neben Facebook und Zygna werden auch via iTunes Spenden gesammelt und an das Rote Kreuz weitergeleitet. Der Gutschein- und Rabatt-Vermittler Groupon legt bei einer Spende von zwei Euro aus eigener Tasche noch zwei Euro dazu und leitet das Geld direkt an das japanische Rote Kreuz weiter. Unsere Kollegen von Voodoodolls (Facebookpage) bieten in ihrem Start-Up günstige Voodoopuppen-Schlüsselanhänger an, deren Erlösanteile sie an Hilfsorganisationen weiterleiten.

Auch Google möchte den Hilfsorganisationen helfen und hat dazu aktuelle Satelliten-Bilder aus den Kriesenregionen bereitgestellt. Außerdem wurde eine Krisenseite mit Informationen und einer Personensuche auf Japanisch und Englisch eingerichtet. Die Satelliten-Bilder können in verschiedenen Varianten von Zuhause aus betrachtet werden und vermitteln einen erschreckenden Anblick der Krisenregion rund um Sendai:

Vorher-Nachher Satelliten-Bild Sendai

Vorher-Nachher Satelliten-Bild Sendai, Quelle: ABC News

Es ist jedoch darauf zu achten, dass sich unter all den Spendenaufrufen auch schwarze Schafe befinden. Bereits kurz nach dem Unglück wurden zahlreiche Spam-Mails, gefälschte Spendenaufrufe und schädliche Software registriert. Wer spenden möchte, sollte dies nur bei bekannten und seriösen Stellen wie dem Österreichischen Roten Kreuz machen.

Protest 2.0: Atom-Gegner verbünden sich im Internet

Der mögliche Eintritt einer atomaren Katastrophe im festöstlichen Japan ruft seit Tagen Atom-Gegner aller Welt zusammen. Im Internet wurden bereits zahlreiche Proteste gegen den Betrieb von Atomkraftwerken gestartet. Besonders starke Proteste und Diskussionen gibt es in Deutschland, wo der Atomausstieg vor Kurzem verschoben und die Laufzeit von Atomkraftwerken im Schnitt um 12 Jahre verlängert wurde. Laut einer Umfrage auf deutschland-stimmt-ab.de gehen die Meinungen in der Atomfrage zwischen Bevölkerung und Politik sehr stark auseinander. Auch eine Online-Petition wurde ins Leben gerufen, welche an den Deutschen Bundestag gereicht werden soll. Laut Unions-Fraktionschef Volker Kauder werde man aber vom bisherigen Atomkurs nicht abweichen, weder vom beschlossenen Energiekonzept noch von der Laufzeitverlängerung.

UPDATE: Laut Focus Online wird Bundeskanzlerin Angela Merkel heute Nachmittag bekanntgeben, dass die Verlängerung der Laufzeit von deutschen Atomkraftwerken ausgesetzt werden soll. Dies wurde nun unter anderem in einem Artikel der Presse bestätigt. Darin wird berichtet, dass die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken für die nächsten drei Monate ausgesetzt ist, was zur vorübergehenden Abschaltung älterer AKW führt. Davon betroffen sind die Kraftwerke Bilis A in Hessen, Neckarwestheim I in Baden-Württemberg und das bayerische Isar I.

Mahnwachen Deutschland, Quelle: Google Maps

Mahnwachen Deutschland, Quelle: Google Maps

Diskussionen rund um Sinn oder Unsinn von Atomenergie gibts es auf den Facebookseiten “Gegen Atomkraft“, “Against Nuclear Energy“, “Atomkraft ist KEINE Klimaschutzmaßnahme” oder “Keine Atomkraft für unsere Zukunft“. Auch gibt es eine Facebook-Applikation, die den Button “Atomkraft? Nein Danke!” in das eigene Profilbild integriert.

Der Protest gegen das laufende Atomprogramm findet jedoch auch auf der Straße statt. Via Google-Maps organisiert die Anti-Atomseite www.ausgestrahlt.de bundesweite Mahnwachen in Deutschland, um gegen den den derzeitigen Atomkurs der Bundesrepublik zu protestieren.

FAZIT

Die Unglücke von Japan zeigt wieder einmal, wie hilflos der Mensch den Mächten der Natur gegenübersteht. Bei aller verfügbarer Technologie ist es uns trotzdem nicht möglich, Katastrophen dieser Art vorherzusagen geschweige denn sie zu verhindern.

Wie sich jedoch zeigt, sind in Zeiten des Internets die Opfer solcher Katastrophen nicht auf sich alleine gestellt. Zahlreiche Spenden werden online gesammelt. Internetfirmen stellen ihre Gewinne für den Wiederaufbau zur Verfügung. Stars nutzen ihre Popularität, um auf die schreckliche Situation hinzuweisen und rufen zu Spenden auf.

Ob und wie sich ein Betrieb von Atomkraftwerken in Krisengebieten nun weiterhin rechtfertigen lässt, sei dahingestellt … letztendlich liegt es an der Politik, einen anderen Kurs einzuschlagen und weitere Atomkatastrophen dieser Art zu vermeiden.

Was haltet ihr von Atomenergie? Werdet ihr auf die Straße gehen oder im Internet protestieren? Spendet ihr für die Opfer der Katastrophe? Sagt es uns hier im Blog oder auf unserer Facebookseite! Wir freuen uns auf eure Kommentare!!

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